| Eines der auffallendsten Gebäude in St. Petersburg ist die Kasaner Kathedrale (Kathedrale der Gottesmutter von Kasan) am Newskij Prospekt, in der von 1932 bis 1990 das Museum für die Geschichte der Religion und des Atheismus (was eine sehr interessante Kombination ist) untergebracht war. Heute heißt es Museum der Religionsgeschichte, in einem Flügel der Kathedrale finden aber auch wieder Gottesdienste statt. An die dem Newskij Prospekt zugewandte Seitenfassade des im Grundriß kreuzförmigen Bauwerks schließt eine Kolonnade mit in vier Reihen angeordneten korinthischen Säulen, von denen jede 13m hoch ist. Die Enden des Säulenumgangs sind als mächtige Portale mit Attiken ausgebildet. Woronichin entschied sich für diesen ungewöhnlichen Grundriß, da in einer orthodoxen Kirche der Altar nach Osten ausgerichtet sein muß, der Haupeingang demnach im Westen liegt. Doch sollte gerade auch die dem Newskij Prospekt zugewandte Nordfassade besonders prächtig gestaltet sein. Um einen ausgewogenen Bau zu schaffen, sah Woronichin vor, an der Nord- und Südfront der Kathedrale halbrunde Kolonnaden zu errichten, die durch eine doppelte Säulenreihe miteinander verbunden werden sollten. Nach dem Ausbruch des Vaterländischen Krieges 1812 wurde dieser Entwurf nicht mehr verwirklicht, und es blieb bei der bereits fertiggestellten nördlichen Kolonnade. Über der Vierung der Kirche erhebt sich die 71 m hohe Kuppel. Die Kathedrale besitzt drei jeweils mit einem Portikus geschmückte Eingänge. Die Bronzetüren des Nordeingangs sind denen des Baptisteriums (Paradies Pforte) in Florenz nachgebildet. In den Nischen rechts und links der Tür stehen Statuen, die Johannes den Täufer, Fürst Wladimir, Alexander Newskij und den Apostel Andreas darstellen, sie stammen von den Bildhauern Marios und Pimenow. Das Innere der Kasaner Kathedrale erinnert eher an eine Palasthalle als an eine Kirche. Das Gewölbe von Langhaus und Querschiff tragen doppelte Säulenreihen - Monolithe aus rosafarbenem finnischen Granit. Der nur teilweise erhaltene Ikonostas beherbergte auch das 'wundertätige Bild der Muttergottes von Kasan', das 1579 in Kasan gefunden worden war und 1904 gestohlen wurde. Im nördlichen Querschiff der Kathedrale ist der Feldmarschall Kutusow angeblich an der Stelle beigesetzt, wo er betete, bevor er 1812 in den Krieg gegen Napoleon zog. Erbeutete Fahnen und andere Trophäen bei seinem Grab erinnern an russische Kriegserfolge. Am 6. Dezember 1876 fand auf dem Platz vor der Kathedrale die erste Sozialrevolutionäre Demonstration auf russischem Boden statt; die an der Kundgebung Beteiligten wurden später vor Gericht gestellt. Um derartige Versammlungen an diesem Ort für alle Zeiten zu verhindern, wurden zu Beginn des 20. Jh.s die Grünflächen angelegt - eine Maßnahme, die nicht den gewünschten Erfolg zeigte. Vor den Endpunkten des bogenförmigen Säulenumgangs stellte man 1837 Denkmäler für die Feldherrn Michail Kutusow (1745-1813) und Michail Barclay de Tolly (1761-1818) auf, die beide als Oberbefehlshaber des russischen Heeres im Krieg gegen Napoleon Erfolge zu verzeichnen hatten. | | Kazaner Kathedrale  |